Für den klassischen Trickle-down-Effekt gibt es wenig Beleg. Eine LSE-Studie über 18 Industrieländer (1965–2015) findet, dass Steuersenkungen für Reiche die Ungleichheit erhöhen, Wachstum und Beschäftigung aber nicht messbar steigern. OECD und IWF sehen in hoher Ungleichheit eher einen Wachstumsdämpfer. Fairerweise: Dieser Zusammenhang ist methodisch umstritten — das ifo etwa kritisiert die Studien. Belastbar ist vor allem das Negativergebnis: Dass Reichtum an der Spitze von allein ‚nach unten durchsickert', lässt sich empirisch nicht zeigen.
Was hinter der Parole steckt: Wunschkausalität: Aus dem plausibel klingenden Bild ‚oben gut, also für alle gut' wird ein Automatismus. Die empirische Prüfung zeigt jedoch keinen verlässlichen Durchsicker-Effekt — die Behauptung lebt von der Intuition, nicht von den Daten.
Am Tisch nützlich – Gegenfragen:
- „Welche Studie zeigt, dass Steuersenkungen für Reiche unten ankommen — und mit welcher Effektgröße?"
- „Wenn Reichtum automatisch durchsickert: Warum stieg die Ungleichheit trotz solcher Senkungen?"
- „Würdest du Maßnahmen, die nur ‚von oben' wirken sollen, an ihrem Ergebnis messen?"
Stichworte: Trickle-down, profitieren alle, durchsickern, Wachstum, Steuersenkung
Fakten dazu
Trickle-down: Profitieren am Ende alle?
Die Trickle-down-These besagt, dass Wohlstand an der Spitze ‚nach unten durchsickert'. Die empirische Forschung dazu ist gemischt — am belastbarsten ist das Negativergebnis für Steuersenkungen zugunsten Reicher.
- LSE-Studie: 18 Länder (Steuerreformen 1965–2015 (Hope/Limberg))
- auf Wachstum/Jobs: kein Effekt (von Steuersenkungen für Reiche)
- messbare Folge: + Ungleichheit (kurz- und mittelfristig)
- Eine LSE-Studie über 18 Industrieländer findet, dass Steuersenkungen für Reiche die Ungleichheit erhöhen, Wachstum und Beschäftigung aber nicht messbar steigern. OECD und IWF sehen in hoher Ungleichheit eher einen Wachstumsdämpfer — dieser Zusammenhang ist allerdings methodisch umstritten (u. a. ifo-Kritik).
Wer finanziert den Staat? Die Verteilung der Abgabenlast
Die Einkommensteuer ist stark progressiv und wird vor allem von höheren Einkommen getragen. Fast die Hälfte des Steueraufkommens stammt aber aus indirekten Steuern (vor allem Mehrwertsteuer), die untere Einkommen relativ stärker belasten.
Anteil indirekter Steuern am Bruttoeinkommen nach Einkommensgruppe
| Gruppe | Anteil an indirekten Steuern |
|---|
| Ärmste 10 % | 23 % des Bruttoeinkommens |
| Reichste 10 % | 7 % des Bruttoeinkommens |
Hinweis: Effektive Gesamtbelastung mit Steuern und Abgaben (Beispielrechnung)
- Durchschnittspaar
- Bruttoeinkommen: ~110.000 €
- Quelle des Einkommens: v. a. Arbeit
- Steuer- & Abgabenquote: 43 %
- Muster-Millionär
- Einkommen: ~1,6 Mio. €
- Quelle des Einkommens: v. a. Kapital
- Steuer- & Abgabenquote: 24 %
- Zählt man direkte Steuern, indirekte Steuern und Sozialabgaben zusammen, ist die Gesamtbelastung über die Einkommensgruppen ‚erstaunlich gleichmäßig' verteilt und wirkt nur leicht progressiv. Den Staat finanzieren also nicht allein die Spitzenverdiener.