Tatsächlich ist die Ungleichheit gewachsen — aber ungleichmäßig. Das verfügbare Realeinkommen des obersten Zehntels stieg 1991–2016 um rund 35 %, während das einkommensschwächste Zehntel real eher stagnierte oder verlor. Bei den Einkommen verlief der Anstieg allerdings nicht ‚immer weiter', sondern flachte nach Mitte der 2000er zeitweise ab. Deutlicher ist die Lücke beim Vermögen: Das der reichsten 100 hat sich seit 2001 fast verdreifacht, das BIP nur verdoppelt. ‚Die Schere' beschreibt also einen realen Trend — bei Vermögen stärker als bei Einkommen.
Was hinter der Parole steckt: Pauschaler Dauertrend: ‚Immer weiter' suggeriert eine gleichmäßig fortlaufende Bewegung. Tatsächlich stieg die Einkommensungleichheit schubweise und flachte zeitweise ab, während die Vermögenskonzentration deutlich dynamischer wuchs — Einkommen und Vermögen werden im Schlagwort vermengt.
Am Tisch nützlich – Gegenfragen:
- „Meinst du die Einkommens- oder die Vermögensungleichheit — die entwickeln sich unterschiedlich?"
- „Wenn die Einkommensungleichheit nach 2005 zeitweise stagnierte: Woran machst du das ‚immer weiter' fest?"
- „Würde dich überraschen, dass die Lücke beim Vermögen stärker wächst als bei den Löhnen?"
Stichworte: Schere, Arm und Reich, Ungleichheit, auseinander, Kluft
Fakten dazu
Die Schere: Einkommen und Vermögen im Zeitverlauf
Ob die Ungleichheit ‚immer weiter' auseinandergeht, lohnt eine Differenzierung: Bei den Einkommen ist die Ungleichheit seit den 1990ern gestiegen, allerdings schubweise und mit Phasen der Stagnation. Bei den Vermögen ist die Konzentration deutlich höher und wächst dynamischer als die Wirtschaft.
- Oberstes Zehntel: +35 % (verfügbares Realeinkommen 1991–2016)
- Unterstes Zehntel: stagniert (real eher gesunken im selben Zeitraum)
- Einkommensanteil oben: 23,3 % (des obersten Zehntels (2016, 1991: 20,5 %))
Hinweis: Gini-Koeffizient der verfügbaren Haushaltseinkommen (SOEP)
- 1999: 0.25
- 2005: 0.29
- 2009: 0.28
- 2016: 0.3
Hinweis: Vermögen der 100 reichsten Deutschen (Mrd. €)
- 2001: 263 Mrd. €
- 2024: 758 Mrd. €
- Während sich das Vermögen der 100 reichsten Deutschen seit 2001 fast verdreifacht hat (von 263 auf 758 Mrd. €), hat sich das Bruttoinlandsprodukt nur etwa verdoppelt. Die Konzentration an der Spitze wächst also schneller als die Wirtschaft.