Der Staat setzt bei der Energiewende Ziele und Rahmen — das tut er in der Energieversorgung aber seit jeher, von Bergbausubventionen bis zu Haftungsregeln für Atomkraft. Das zentrale Steuerungsinstrument ist heute der CO₂-Preis im Emissionshandel: Er verteuert klimaschädliche Energie und überlässt den konkreten Weg dem Markt. Dass Wind und Solar im Neubau am günstigsten sind, zeigt zudem: Auch ein rein an Kosten orientierter Markt würde stark auf Erneuerbare setzen. Externe Kosten einzupreisen ist Marktkorrektur, nicht Planwirtschaft.
Was hinter der Parole steckt: Der Begriff ‚Planwirtschaft' rahmt jede staatliche Rahmensetzung als Gegenteil des Marktes. Das verkennt, dass Klimapolitik überwiegend mit Preissignalen (Emissionshandel) statt mit Mengenplanung arbeitet — und dass auch ein freier Markt die heute günstigsten Technologien wählt. Das Etikett ersetzt die Auseinandersetzung mit dem tatsächlichen Instrumentenmix.
Am Tisch nützlich – Gegenfragen:
- „Wenn der Emissionshandel den Preis setzt und den Weg dem Markt überlässt — was genau daran ist ‚Planwirtschaft'?"
- „Wäre ein Markt, in dem die Folgekosten von CO₂ niemand zahlt, wirklich freier — oder nur einer mit ausgelagerter Rechnung?"
- „Wenn Wind und Solar die günstigsten Neubauten sind: Würde ein reiner Kostenmarkt nicht ohnehin auf sie setzen?"
Stichworte: planwirtschaft, markt, oktroi, ideologie, co2-preis, emissionshandel, staat
Fakten dazu
Stromgestehungskosten (LCOE) – Der Preisvergleich
Quelle: Lazard LCOE+ v18.0 (Juni 2025), unsubventioniert, US-Marktdaten in USD/MWh.
Hinweis: LCOE nach Technologie (USD/MWh, unsubventioniert)
- Solar (Utility-Scale): 38 bis 78 $/MWh
- Wind Onshore: 37 bis 86 $/MWh
- Gas Combined Cycle: 48 bis 109 $/MWh
- Wind Offshore: 74 bis 139 $/MWh
- Kohle: 69 bis 168 $/MWh
- Kernkraft Neubau: 141 bis 220 $/MWh
LCOE nach Technologie (USD/MWh, unsubventioniert)
| Technologie | LCOE (USD/MWh) | Anmerkung |
|---|
| Solar (Utility-Scale) | 38 - 78 | günstigste Neubauten im Lazard-Vergleich |
| Wind Onshore | 37 - 86 | klar unter Neubau-Kernkraft |
| Gas Combined Cycle | 48 - 109 | stark gaspreisabhängig |
| Wind Offshore | 74 - 139 | teurer als Onshore, aber unter Kernkraft möglich |
| Kohle | 69 - 168 | ohne externe Folgekosten |
| Kernkraft Neubau | 141 - 220 | teuerster großer Neubautyp im Vergleich |
Ergänzende LCOE-Werte
| Kategorie | LCOE | Quelle |
|---|
| Bestands-AKW (abbezahlt, Langzeitbetrieb) | < 40 USD/MWh | OECD/IEA-NEA 2020 |
| OECD-Modell „Nth-of-a-kind“ (3% Diskont) | 55 - 95 USD/MWh | OECD/IEA-NEA 2020 |
| Hinkley Point C (Strike Price Jan 2026) | ~127 GBP/MWh ≈ 15 Ct/kWh | inflationsindexiert, steigt weiter |
- Neubau-Kernkraft ist in aktuellen Kostenvergleichen deutlich teurer als Solar- und Windkraft.
Strompreis: hoch — aber warum eigentlich?
- Industriestrompreis 2025: ~18 ct/kWh (mittleres Verbrauchsband (Eurostat))
- über EU-Durchschnitt: +17 % (Industrie 2025)
- Beschaffung & Vertrieb: ~41 % (am Haushaltspreis (BDEW))
Der deutsche Strompreis ist im internationalen Vergleich hoch: Industriekunden im mittleren Verbrauchsband zahlten 2025 laut Eurostat rund 18 ct/kWh — etwa 17 % mehr als der EU-Durchschnitt. Der Preis besteht aber aus mehreren Bausteinen: Beim Haushaltsstrompreis (rund 37 ct/kWh) entfallen laut BDEW etwa 41 % auf Beschaffung und Vertrieb, der Rest auf Netzentgelte (25 %) sowie Steuern, Abgaben und Umlagen (34 %).
- Netzentgelte, Steuern, Abgaben und Umlagen machen zusammen den größeren Teil des Strompreises aus — nicht die Erzeugungskosten der Erneuerbaren.