Große westliche AKW-Neubauten sind teuer, dauern lange und bleiben regelmäßig nicht im Startbudget. In Deutschland kämen zusätzlich fehlende Lieferketten, Fachkräfte und Genehmigungsroutinen hinzu. Wer heute neu beschließt, bekommt realistisch erst in den 2040er Jahren relevanten Strom.
Was hinter der Parole steckt: Die Pro-AKW-Position bleibt rhetorisch („wir bauen einfach"), lässt aber Zeit- und Kostenrahmen weg. Westliche Neubauten der letzten 20 Jahre (Hinkley Point C, Olkiluoto, Flamanville) sind alle deutlich über Budget und Zeit. In Deutschland fehlen zusätzlich Lieferketten, Fachkräfte und Genehmigungsroutinen. Das Schlagwort ersetzt einen umsetzbaren Plan.
Am Tisch nützlich – Gegenfragen:
- „Welches der jüngsten westlichen AKW-Projekte (Hinkley Point C, Olkiluoto, Flamanville) ist im Zeit- und Kostenrahmen geblieben?"
- „Bis wann erwartest du, dass ein heute beschlossenes deutsches AKW Strom liefert — und wer trägt die Kosten in der Übergangszeit?"
- „Wer baut die Reaktoren in Deutschland, wenn weder Lieferketten noch ausgebildete Fachkräfte vorhanden sind?"
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Fakten dazu
AKW-Neubau im Westen: Kein Projekt im Budget
Westliche AKW-Neubauprojekte
| Projekt | Land | Bauzeit | Startbudget | Heute |
|---|
| Hinkley Point C | GB | 2017 - 2030+ | 18 Mrd. GBP | 35 Mrd. GBP (~48 Mrd. GBP nominal) |
| Flamanville 3 | FR | 2007 - 2024 | 3,3 Mrd. EUR | 23,7 Mrd. EUR (Rechnungshof) |
| Olkiluoto 3 | FI | 2005 - 2023 | 3 Mrd. EUR | ~11 Mrd. EUR |
| Vogtle 3&4 | USA | 2013 - 2023/24 | 14 Mrd. USD | ~35 Mrd. USD |
Barakah in den Vereinigten Arabischen Emiraten wird oft als Gegenbeispiel genannt. Das Projekt entstand aber unter sehr anderen Bedingungen: standardisierte südkoreanische Reaktortechnik, andere Genehmigungslogik und andere Kostenstrukturen. Es ist deshalb keine belastbare Blaupause für Deutschland oder andere westliche Demokratien.
- Kein westliches Neubauprojekt blieb im Budget: Flamanville 3 kostete statt 3,3 Mrd. am Ende 23,7 Mrd. €; Hinkley Point C stieg von 18 auf 35 Mrd. GBP. Die Bauzeiten lagen bei 13–18 Jahren statt der geplanten 5–6.
- Wer heute einen Neubau beschließt, erhält in westlichen Demokratien mit hoher Wahrscheinlichkeit erst in den 2040er Jahren nennenswerten Strom aus dem Projekt.
- In Deutschland: Kein Fachpersonal, keine Lieferketten, keine Genehmigungsstrukturen
Stromgestehungskosten (LCOE) – Der Preisvergleich
Quelle: Lazard LCOE+ v18.0 (Juni 2025), unsubventioniert, US-Marktdaten in USD/MWh.
Hinweis: LCOE nach Technologie (USD/MWh, unsubventioniert)
- Solar (Utility-Scale): 38 bis 78 $/MWh
- Wind Onshore: 37 bis 86 $/MWh
- Gas Combined Cycle: 48 bis 109 $/MWh
- Wind Offshore: 74 bis 139 $/MWh
- Kohle: 69 bis 168 $/MWh
- Kernkraft Neubau: 141 bis 220 $/MWh
LCOE nach Technologie (USD/MWh, unsubventioniert)
| Technologie | LCOE (USD/MWh) | Anmerkung |
|---|
| Solar (Utility-Scale) | 38 - 78 | günstigste Neubauten im Lazard-Vergleich |
| Wind Onshore | 37 - 86 | klar unter Neubau-Kernkraft |
| Gas Combined Cycle | 48 - 109 | stark gaspreisabhängig |
| Wind Offshore | 74 - 139 | teurer als Onshore, aber unter Kernkraft möglich |
| Kohle | 69 - 168 | ohne externe Folgekosten |
| Kernkraft Neubau | 141 - 220 | teuerster großer Neubautyp im Vergleich |
Ergänzende LCOE-Werte
| Kategorie | LCOE | Quelle |
|---|
| Bestands-AKW (abbezahlt, Langzeitbetrieb) | < 40 USD/MWh | OECD/IEA-NEA 2020 |
| OECD-Modell „Nth-of-a-kind“ (3% Diskont) | 55 - 95 USD/MWh | OECD/IEA-NEA 2020 |
| Hinkley Point C (Strike Price Jan 2026) | ~127 GBP/MWh ≈ 15 Ct/kWh | inflationsindexiert, steigt weiter |
- Neubau-Kernkraft ist in aktuellen Kostenvergleichen deutlich teurer als Solar- und Windkraft.