Strom ist in Deutschland tatsächlich teuer: Die Industrie zahlte 2025 rund 17 % mehr als der EU-Durchschnitt. Den größeren Teil des Preises machen aber Netzentgelte, Steuern, Abgaben und Umlagen aus — dazu der Gaspreis, der in Knappheitsstunden oft den Großhandelspreis bestimmt. Die Erzeugungskosten von Wind und Solar sind dagegen die niedrigsten im Neubau. Die hohen Preise sind also weniger Folge der Erneuerbaren als der Abgabenlast und der Gasabhängigkeit.
Was hinter der Parole steckt: Die Parole verknüpft einen hohen Endpreis kurzschlüssig mit einer einzelnen Ursache. Sie blendet aus, dass sich der Strompreis aus vielen Komponenten zusammensetzt und gerade die günstigen Erneuerbaren den Großhandelspreis senken, während Abgaben, Netzentgelte und der gaspreisgetriebene Spitzenpreis ihn treiben.
Am Tisch nützlich – Gegenfragen:
- „Welcher Teil deines Strompreises ist Erzeugung — und welcher Netzentgelte, Steuern und Abgaben?"
- „Wenn Wind und Solar die teuersten wären — warum sind sie im Neubau-Kostenvergleich am günstigsten?"
- „Was setzte 2022 den Strompreis nach oben: der Ausbau der Erneuerbaren oder der Gaspreis nach dem russischen Lieferstopp?"
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Fakten dazu
Strompreis: hoch — aber warum eigentlich?
- Industriestrompreis 2025: ~18 ct/kWh (mittleres Verbrauchsband (Eurostat))
- über EU-Durchschnitt: +17 % (Industrie 2025)
- Beschaffung & Vertrieb: ~41 % (am Haushaltspreis (BDEW))
Der deutsche Strompreis ist im internationalen Vergleich hoch: Industriekunden im mittleren Verbrauchsband zahlten 2025 laut Eurostat rund 18 ct/kWh — etwa 17 % mehr als der EU-Durchschnitt. Der Preis besteht aber aus mehreren Bausteinen: Beim Haushaltsstrompreis (rund 37 ct/kWh) entfallen laut BDEW etwa 41 % auf Beschaffung und Vertrieb, der Rest auf Netzentgelte (25 %) sowie Steuern, Abgaben und Umlagen (34 %).
- Netzentgelte, Steuern, Abgaben und Umlagen machen zusammen den größeren Teil des Strompreises aus — nicht die Erzeugungskosten der Erneuerbaren.
Stromgestehungskosten (LCOE) – Der Preisvergleich
Quelle: Lazard LCOE+ v18.0 (Juni 2025), unsubventioniert, US-Marktdaten in USD/MWh.
Hinweis: LCOE nach Technologie (USD/MWh, unsubventioniert)
- Solar (Utility-Scale): 38 bis 78 $/MWh
- Wind Onshore: 37 bis 86 $/MWh
- Gas Combined Cycle: 48 bis 109 $/MWh
- Wind Offshore: 74 bis 139 $/MWh
- Kohle: 69 bis 168 $/MWh
- Kernkraft Neubau: 141 bis 220 $/MWh
LCOE nach Technologie (USD/MWh, unsubventioniert)
| Technologie | LCOE (USD/MWh) | Anmerkung |
|---|
| Solar (Utility-Scale) | 38 - 78 | günstigste Neubauten im Lazard-Vergleich |
| Wind Onshore | 37 - 86 | klar unter Neubau-Kernkraft |
| Gas Combined Cycle | 48 - 109 | stark gaspreisabhängig |
| Wind Offshore | 74 - 139 | teurer als Onshore, aber unter Kernkraft möglich |
| Kohle | 69 - 168 | ohne externe Folgekosten |
| Kernkraft Neubau | 141 - 220 | teuerster großer Neubautyp im Vergleich |
Ergänzende LCOE-Werte
| Kategorie | LCOE | Quelle |
|---|
| Bestands-AKW (abbezahlt, Langzeitbetrieb) | < 40 USD/MWh | OECD/IEA-NEA 2020 |
| OECD-Modell „Nth-of-a-kind“ (3% Diskont) | 55 - 95 USD/MWh | OECD/IEA-NEA 2020 |
| Hinkley Point C (Strike Price Jan 2026) | ~127 GBP/MWh ≈ 15 Ct/kWh | inflationsindexiert, steigt weiter |
- Neubau-Kernkraft ist in aktuellen Kostenvergleichen deutlich teurer als Solar- und Windkraft.