Ein genereller Umsatzeinbruch durch autoarme Innenstädte ist empirisch kaum belegt — oft ist das Gegenteil der Fall. Befragungen zeigen, dass Händler den Autokundenanteil massiv überschätzen: In einer Berliner Erhebung schätzten Geschäftsleute ihn auf rund 22 %, tatsächlich kamen nur etwa 7 % mit dem Auto, und rund 91 % des Umsatzes stammten von Menschen zu Fuß, mit Rad oder ÖPNV. Der wahre Kern: Einzelne Geschäfte mit sperrigen Waren brauchen Anlieferung und Stellplätze. Für die Masse des Handels gilt: Aufenthaltsqualität bringt Kundschaft, nicht Parkplätze direkt vor der Tür.
Was hinter der Parole steckt: Die Parole verwechselt die gefühlte Wahrnehmung der Händler mit der Realität ihrer Kundschaft. Aus ‚meine wichtigsten Kunden kommen mit dem Auto' wird eine Tatsachenbehauptung — obwohl Erhebungen genau diesen Eindruck regelmäßig als Selbsttäuschung entlarven.
Am Tisch nützlich – Gegenfragen:
- „Hat in deiner Stadt schon mal jemand tatsächlich gezählt, womit die Kundschaft kommt — oder ist das ein Bauchgefühl?"
- „Gehst du in eine Fußgängerzone, weil du direkt davor parken kannst, oder weil es sich dort angenehm bummeln lässt?"
- „Wenn Parkplätze der Schlüssel wären — warum sind dann gerade gut gestaltete, autoarme Lagen oft die begehrtesten?"
Stichworte: Innenstadt, Einzelhandel, autofrei, Fußgängerzone, Geschäfte