Früher gab es sie auch: Die Gastarbeiter ab 1955, über 2,5 Mio. Aussiedler ab 1988 – Deutschland war immer ein Einwanderungsland, auch wenn es sich lange nicht so nannte. Und der demografische Wandel macht Zuwanderung heute noch dringender: Bis Mitte der 2030er sinkt die Zahl der Erwerbsfähigen um 3,2 Millionen – selbst bei hoher Nettozuwanderung.
Was hinter der Parole steckt: Die Parole stützt sich auf eine falsche historische Erinnerung. Deutschland war seit 1955 Einwanderungsland — Gastarbeiter, Spätaussiedler, EU-Freizügigkeit. ‚Früher‘ meint also meist eine Phase, die so nie existiert hat. Zusätzlich verschiebt das ‚brauchen‘ den Rahmen von Recht (Asyl) auf Nutzen — zwei Fragen, die getrennt zu beantworten sind.
Am Tisch nützlich – Gegenfragen:
- „Wann genau ist für dich ‚früher‘ — die 50er, die 80er, die 2000er?"
- „Wie hätte sich die deutsche Wirtschaft ohne die Gastarbeiter ab 1955 entwickelt, deiner Meinung nach?"
- „Wenn bis Mitte der 2030er 3,2 Millionen Erwerbsfähige fehlen: Welcher inländische Reservepool soll diese Lücke schließen?"
Stichworte: früher, ohne Einwanderung, ging auch, brauchen wir nicht
Fakten dazu
Historischer Kontext: Migration in Deutschland
Migration ist in Deutschland kein neues Phänomen. Seit den 1950er Jahren hat das Land mehrere große Zuwanderungswellen erlebt, die jeweils von Debatten über Integration begleitet wurden – und deren Ergebnisse heute oft als selbstverständlich gelten.
Hinweis: Meilensteine der Migration nach Deutschland
- 1955–1973: Gastarbeiter-Anwerbung (Millionen Arbeitskräfte aus Italien, Türkei, Jugoslawien u. a.)
- 1988–1995: Aussiedler & Spätaussiedler (Über 2,5 Mio. Deutschstämmige aus Osteuropa/GUS)
- 1992: Asylkompromiss (Änderung Art. 16 GG nach 438.000 Asylanträgen)
- 2015–2016: Fluchtbewegung (Über 1,1 Mio. Asylerstanträge in zwei Jahren)
- 2022: Ukraine-Flucht (Über 1 Mio. Ukrainer:innen aufgenommen (kein Asylverfahren))
- 2025: Deutlicher Rückgang (113.236 Erstanträge – niedrigster Stand seit 2020)
- Die Nachkommen der Gastarbeiter der 1960er Jahre sind heute ein fester Bestandteil der deutschen Gesellschaft und Wirtschaft. Integration ist ein Generationenprojekt – das zeigt sich auch bei der aktuellen Fluchtmigration.
Demografischer Wandel und Fachkräfte
Der demografische Wandel verringert in Deutschland das Erwerbspersonenpotenzial. Destatis erwartet, dass die Zahl der 20- bis 66-Jährigen bis Mitte der 2030er Jahre selbst bei hoher Nettozuwanderung um rund 3,2 Millionen sinkt. Dadurch gewinnt die Frage an Bedeutung, wie Zuwanderung und Arbeitsmarktintegration zum Arbeitskräfteangebot beitragen.
- Erwerbspersonen: −3,2 Mio. (20- bis 66-Jährige sinken bis Mitte 2030er)
- Beschäftigungsquote: 64 % (der 2015 zugezogenen Geflüchteten (Ende 2024))
- Fachkraft oder höher: 50 % (der beschäftigten Geflüchteten nach 7–8 Jahren)
- Selbst bei hoher Nettozuwanderung sinkt laut Destatis die Zahl der 20- bis 66-Jährigen bis Mitte der 2030er um rund 3,2 Millionen. Integration in den Arbeitsmarkt ist daher keine Kür, sondern volkswirtschaftliche Notwendigkeit.