Es ist umgekehrt: Geflüchtete arbeiten laut IAB überwiegend dort, wo Personal fehlt – Gesundheit, Verkehr und Logistik, Fertigung. Bis Mitte der 2030er sinkt die Zahl der 20- bis 66-Jährigen laut Destatis selbst bei hoher Nettozuwanderung um rund 3,2 Millionen; ohne Zuwanderung bleiben Stellen unbesetzt, statt dass jemand verdrängt wird. Empirisch zeigt sich keine generelle Verdrängung am Arbeitsmarkt – in Branchen mit Fachkräftemangel ist gar nicht genug Konkurrenz da, um jemanden zu verdrängen.
Was hinter der Parole steckt: Die Parole unterstellt einen Arbeitsmarkt mit fester Job-Menge: Wer ein Stück bekommt, nimmt es jemand anderem weg. In der Volkswirtschaftslehre heißt das ‚Lump-of-Labor-Trugschluss'. Tatsächlich entstehen mit jeder zusätzlichen Arbeitskraft auch neue Bedarfe – durch Konsum, Wohnen und Dienstleistungen. Außerdem fasst ‚die Ausländer' eine sehr unterschiedliche Gruppe zusammen – von der Pflegekraft über die Ärztin bis zum Handwerker.
Am Tisch nützlich – Gegenfragen:
- „Welchen Job hat dir oder jemandem, den du persönlich kennst, konkret ein Ausländer weggenommen?"
- „Wer soll in zehn Jahren in der Pflege oder auf dem Bau arbeiten, wenn schon heute Zehntausende Stellen unbesetzt bleiben?"
- „Du sagst ‚die Ausländer' – meinst du den polnischen Handwerker, die syrische Ärztin oder den italienischen Wirt um die Ecke?"
Stichworte: Jobs, Arbeitsplätze, wegnehmen, Konkurrenz, verdrängen
Fakten dazu
Arbeitsmarktintegration
Die Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt braucht Zeit (Spracherwerb, Qualifizierung), zeigt aber langfristig deutliche Erfolge. Laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) nähert sich die Beschäftigungsquote der 2015 nach Deutschland gekommenen Geflüchteten nach neun Jahren dem Bevölkerungsdurchschnitt an.
Hinweis: Beschäftigungsquote der 2015 zugezogenen Geflüchteten
- Im 1. Jahr: 9% (unter 10 %)
- Nach 9 Jahren: 64% (Männer: 76 %, Frauen: 35 %)
- Gesamt: Bevölkerungsdurchschnitt: 70 %
- Rund die Hälfte der beschäftigten Geflüchteten übt sieben bis acht Jahre nach Zuzug eine qualifizierte Tätigkeit als Fachkraft oder Spezialist aus.
Für die 2015 zugezogene Geflüchtetenkohorte zeigen IAB-Daten eine besondere Bedeutung von Gesundheits-, Fertigungs- sowie Verkehrs- und Logistikberufen. Pauschale Aussagen über eine generelle Verdrängung am Arbeitsmarkt tragen diese Daten nicht.
- 2023 lebten noch 34 % der 2015 zugezogenen Geflüchteten im erwerbsfähigen Alter in SGB-II-Haushalten. Unter den abhängig Beschäftigten konnten 84 % ihren Lebensunterhalt ohne ergänzende Leistungen bestreiten.
Demografischer Wandel und Fachkräfte
Der demografische Wandel verringert in Deutschland das Erwerbspersonenpotenzial. Destatis erwartet, dass die Zahl der 20- bis 66-Jährigen bis Mitte der 2030er Jahre selbst bei hoher Nettozuwanderung um rund 3,2 Millionen sinkt. Dadurch gewinnt die Frage an Bedeutung, wie Zuwanderung und Arbeitsmarktintegration zum Arbeitskräfteangebot beitragen.
- Erwerbspersonen: −3,2 Mio. (20- bis 66-Jährige sinken bis Mitte 2030er)
- Beschäftigungsquote: 64 % (der 2015 zugezogenen Geflüchteten (Ende 2024))
- Fachkraft oder höher: 50 % (der beschäftigten Geflüchteten nach 7–8 Jahren)
- Selbst bei hoher Nettozuwanderung sinkt laut Destatis die Zahl der 20- bis 66-Jährigen bis Mitte der 2030er um rund 3,2 Millionen. Integration in den Arbeitsmarkt ist daher keine Kür, sondern volkswirtschaftliche Notwendigkeit.