Abwanderungsrisiken gibt es, sie werden aber meist überschätzt. Das aktuellste Beispiel: Norwegen erhöhte 2021 die Vermögensteuer; zwischen 2022 und 2023 verließen über 500 vermögende Personen das Land — mehr als doppelt so viele wie in den Vorjahren, viele zogen in die Schweiz. Eine Harvard-Studie hat aber das Gesamtbild gerechnet: Die Mehreinnahmen aus der erhöhten Steuer übersteigen die Verluste durch Wegzug deutlich — unterm Strich stieg das Aufkommen. Wohnsitzentscheidungen hängen ohnehin von Unternehmen, Familie, Infrastruktur und Rechtssicherheit ab, nicht allein von einer Steuer. Wegzugs- und Missbrauchsregeln lassen sich zudem so gestalten, dass reine Steuergestaltung erschwert wird.
Was hinter der Parole steckt: Drohszenario aus selektiver Beobachtung: Einzelne Wegzugsfälle werden als ‚Beweis‘ gezeigt, die Netto-Bilanz (Aufkommen vs. Verluste) wird weggelassen. Beispiel Norwegen: 500+ Wegzüge stimmen — die Harvard-Studie zeigt aber, dass die Mehreinnahmen die Verluste übersteigen.
Am Tisch nützlich – Gegenfragen:
- „Wenn die Harvard-Studie für Norwegen Netto-Mehreinnahmen aus der Vermögensteuer-Erhöhung dokumentiert — was widerlegt dein ‚dann gehen alle weg‘ konkret?"
- „Welcher Anteil der Vermögenden mit > 2 Mio. € verlässt Deutschland nach deiner Schätzung — und auf welcher Datenbasis?"
- „Wenn Wegzugs- und Missbrauchsregeln möglich sind (und in Deutschland für andere Steuerarten existieren) — warum sollte das Abwanderungsrisiko die Höhe einer Vermögensteuer 1:1 begrenzen?"
Stichworte: Abwanderung, Ausland, Flucht, Schweiz, Wegzugsbesteuerung, Monaco