Nicht das Unternehmen zahlt, sondern der Eigentümer. Bei einem Steuersatz von 1 % und typischen Kapitalrenditen von 5–10 % lässt sich die Steuer in der Regel aus den laufenden Erträgen bezahlen; für ertragsschwache Jahre sehen die diskutierten Modelle Stundungsregeln vor. Bei der Erbschaftsteuer ist eine Stundung über 15 Jahre möglich — das entspricht etwa 1–2 % des jährlichen Unternehmensgewinns. Zum Vergleich: Wer ein Unternehmen kauft, muss den vollen Preis sofort aufbringen.
Was hinter der Parole steckt: Verwechslung von Eigentümer und Unternehmen: Rhetorisch wird das Unternehmen zur leidtragenden Partei gemacht, obwohl der Eigentümer die Steuer trägt. Bei 1 % Steuer und typischen 5-10 % Kapitalrenditen ist die Substanzfrage faktisch eine Ertragsfrage — wer kauft, zahlt ohnehin den vollen Preis.
Am Tisch nützlich – Gegenfragen:
- „Bei 1 % Steuer und 5-10 % Kapitalrendite — warum sollte das aus der Substanz statt aus den laufenden Erträgen kommen?"
- „Wenn ein Unternehmenskäufer den vollen Kaufpreis aufbringt und das als normal gilt — warum ist eine Stundungsregelung über 20 Jahre bei Erben ein Substanz-Problem?"
- „Für welche konkrete Konstellation aus Rendite, Steuersatz und Stundung ginge die Steuer rechnerisch tatsächlich an die Substanz?"
Stichworte: Substanz, Substanzbesteuerung, Unternehmenssubstanz, Firma kaputt, Liquidität
Fakten dazu
Erbschaftsteuer: Milliardäre zahlen weniger als Mittelstandserben
- Aufkommen: 13,3 Mrd. € (festgesetzt 2024 (Rekord))
- jährl. Erbvolumen: 300–400 Mrd. (davon nur 113 Mrd. steuerlich erfasst)
- Mindereinnahmen/J.: ~7,8 Mrd. € (durch Betriebsvermögens-Verschonung)
- Effektiver Ø-Satz: niedrig (je nach Bezugsbasis unterschiedlich)
Hinweis: Kassenmäßiges Erbschaft- und Schenkungsteuer-Aufkommen
- 2010: 4.4 Mrd. €
- 2012: 4.3 Mrd. €
- 2014: 5.4 Mrd. €
- 2016: 7 Mrd. €
- 2018: 6.8 Mrd. €
- 2020: 8.6 Mrd. €
- 2022: 9.2 Mrd. €
- 2024: 11 Mrd. €
- 0,7 % der Steuerpflichtigen erhalten 32 % aller erfassten Übertragungen — und 68 % aller steuerbefreiten Unternehmensübertragungen. Kleine Erben zahlen prozentual mehr als Milliardenerben.
- 2021–2024 wurden in nur 105 Fällen über die Verschonungsbedarfsprüfung (§ 28a ErbStG) rund 7,38 Mrd. € Erbschaftsteuer erlassen. Das zeigt, wie stark einzelne Großübertragungen privilegiert werden.
Die Betriebsvermögensverschonung ist laut 30. Subventionsbericht der Bundesregierung die größte Steuersubvention Deutschlands. Das BVerfG erklärte die Regelung bereits 2014 für verfassungswidrig — die Reform 2016 ließ die Kernprivilegien aber bestehen. Eine erneute Prüfung ist seit 2022 anhängig.
Aufkommenspotenzial: Was brächte eine Vermögensteuer?
Das DIW Berlin hat verschiedene Modelle einer Vermögensteuer durchgerechnet. Betroffen wäre im Wesentlichen nur das reichste 1 % der Bevölkerung; den Großteil des Aufkommens trüge das reichste 0,1 %.
Modelle einer Vermögensteuer und geschätztes Aufkommen
| Modell | Freibetrag | Steuersatz | Aufkommen (brutto) |
|---|
| Die Linke: konservativ (DIW 2026) | 1 Mio. € | 1 % proportional | ~42 Mrd. €/J. |
| Die Linke: progressiv (DIW 2026) | 1 Mio. € | 1–12 % (progressiv) | ~147 Mrd. €/J. |
- Schon die konservativste Variante (1 % ab 1 Mio. € Freibetrag) brächte laut DIW rund 42 Mrd. Euro pro Jahr — mehr als dreimal so viel wie die Erbschaftsteuer. Betroffen wäre weniger als 1 % der Bevölkerung.
Was 1 % Vermögensteuer (Freibetrag 1 Mio. €) konkret bedeuten würde
| Nettovermögen | Steuerbetrag/Jahr | Einordnung |
|---|
| 500.000 € | 0 € | unter Freibetrag — nicht betroffen |
| 1,5 Mio. € | 5.000 € | nur auf 500.000 € über Freibetrag |
| 5 Mio. € | 40.000 € | bei 5–10 % Rendite aus laufenden Erträgen zahlbar |
| 50 Mio. € | 490.000 € | entspricht ~1 % des Vermögens |
| 1 Mrd. € | 9,99 Mio. € | weniger als eine typische Quartalsdividende |
Freibeträge Erbschaftsteuer: Deutschland vs. international
| Land | System | Freibetrag (Kind) | Spitzensatz |
|---|
| Deutschland | Erwerberbasiert | 400.000 € (alle 10 J.) | 30 % |
| Frankreich | Erwerberbasiert | 100.000 € (alle 15 J.) | 45 % |
| UK | Nachlassbasiert | ~380.000 € (+ 205.000 Wohneigentum) | 40 % |
| USA | Nachlassbasiert | ~13,1 Mio. € pro Person | 40 % |
| Japan | Erwerberbasiert | ~185.000 € + pro Erbe | 55 % |
- OECD und andere internationale Institutionen empfehlen Deutschland seit Jahren, vermögensbezogene Steuern stärker zu nutzen und die hohe Belastung von Arbeit zu verringern.