Für das Familienheim gibt es weitreichende Ausnahmen: Wer das geerbte Haus selbst für mindestens 10 Jahre bewohnt, zahlt darauf null Euro Erbschaftsteuer (bis 200 m² Wohnfläche). Zudem gibt es hohe persönliche Freibeträge: 400.000 € pro Kind, 500.000 € für Ehepartner — alle 10 Jahre erneuerbar. 96 % aller Erbfälle fallen komplett unter die Freibeträge. Das selbstgenutzte Elternhaus ist also schon heute weitgehend steuerfrei — von weiteren Entlastungen würden rechnerisch vor allem die wenigen sehr großen Nachlässe oberhalb der Freibeträge profitieren.
Was hinter der Parole steckt: Emotionalisierung mit einem Beispiel, das der geltenden Rechtslage nicht entspricht: Das ‚Elternhaus‘ ist explizit geschützt (Selbstnutzung bis 200 m² steuerfrei, Freibeträge 400/500k €, 96 % aller Erbfälle komplett unter den Freibeträgen). Betroffen von der Steuer sind ganz überwiegend große Nachlässe oberhalb dieser Grenzen.
Am Tisch nützlich – Gegenfragen:
- „Wusstest du, dass für das selbstgenutzte Elternhaus (bis 200 m²) bei 10-Jahres-Selbstnutzung gar keine Erbschaftsteuer anfällt?"
- „Wenn 96 % aller Erbfälle komplett unter die Freibeträge fallen — wer ist denn von der Steuer überhaupt betroffen?"
- „Kennst du einen konkreten Fall, in dem ein selbstgenutztes Elternhaus wegen der Erbschaftsteuer verkauft werden musste — und lag der über den Freibeträgen?"
Stichworte: Elternhaus, Immobilie, Hausverkauf, Freibetrag, Familienheim, Oma
Fakten dazu
Erbschaftsteuer: Milliardäre zahlen weniger als Mittelstandserben
- Aufkommen: 13,3 Mrd. € (festgesetzt 2024 (Rekord))
- jährl. Erbvolumen: 300–400 Mrd. (davon nur 113 Mrd. steuerlich erfasst)
- Mindereinnahmen/J.: ~7,8 Mrd. € (durch Betriebsvermögens-Verschonung)
- Effektiver Ø-Satz: niedrig (je nach Bezugsbasis unterschiedlich)
Hinweis: Kassenmäßiges Erbschaft- und Schenkungsteuer-Aufkommen
- 2010: 4.4 Mrd. €
- 2012: 4.3 Mrd. €
- 2014: 5.4 Mrd. €
- 2016: 7 Mrd. €
- 2018: 6.8 Mrd. €
- 2020: 8.6 Mrd. €
- 2022: 9.2 Mrd. €
- 2024: 11 Mrd. €
- 0,7 % der Steuerpflichtigen erhalten 32 % aller erfassten Übertragungen — und 68 % aller steuerbefreiten Unternehmensübertragungen. Kleine Erben zahlen prozentual mehr als Milliardenerben.
- 2021–2024 wurden in nur 105 Fällen über die Verschonungsbedarfsprüfung (§ 28a ErbStG) rund 7,38 Mrd. € Erbschaftsteuer erlassen. Das zeigt, wie stark einzelne Großübertragungen privilegiert werden.
Die Betriebsvermögensverschonung ist laut 30. Subventionsbericht der Bundesregierung die größte Steuersubvention Deutschlands. Das BVerfG erklärte die Regelung bereits 2014 für verfassungswidrig — die Reform 2016 ließ die Kernprivilegien aber bestehen. Eine erneute Prüfung ist seit 2022 anhängig.
Aufkommenspotenzial: Was brächte eine Vermögensteuer?
Das DIW Berlin hat verschiedene Modelle einer Vermögensteuer durchgerechnet. Betroffen wäre im Wesentlichen nur das reichste 1 % der Bevölkerung; den Großteil des Aufkommens trüge das reichste 0,1 %.
Modelle einer Vermögensteuer und geschätztes Aufkommen
| Modell | Freibetrag | Steuersatz | Aufkommen (brutto) |
|---|
| Die Linke: konservativ (DIW 2026) | 1 Mio. € | 1 % proportional | ~42 Mrd. €/J. |
| Die Linke: progressiv (DIW 2026) | 1 Mio. € | 1–12 % (progressiv) | ~147 Mrd. €/J. |
- Schon die konservativste Variante (1 % ab 1 Mio. € Freibetrag) brächte laut DIW rund 42 Mrd. Euro pro Jahr — mehr als dreimal so viel wie die Erbschaftsteuer. Betroffen wäre weniger als 1 % der Bevölkerung.
Was 1 % Vermögensteuer (Freibetrag 1 Mio. €) konkret bedeuten würde
| Nettovermögen | Steuerbetrag/Jahr | Einordnung |
|---|
| 500.000 € | 0 € | unter Freibetrag — nicht betroffen |
| 1,5 Mio. € | 5.000 € | nur auf 500.000 € über Freibetrag |
| 5 Mio. € | 40.000 € | bei 5–10 % Rendite aus laufenden Erträgen zahlbar |
| 50 Mio. € | 490.000 € | entspricht ~1 % des Vermögens |
| 1 Mrd. € | 9,99 Mio. € | weniger als eine typische Quartalsdividende |
Freibeträge Erbschaftsteuer: Deutschland vs. international
| Land | System | Freibetrag (Kind) | Spitzensatz |
|---|
| Deutschland | Erwerberbasiert | 400.000 € (alle 10 J.) | 30 % |
| Frankreich | Erwerberbasiert | 100.000 € (alle 15 J.) | 45 % |
| UK | Nachlassbasiert | ~380.000 € (+ 205.000 Wohneigentum) | 40 % |
| USA | Nachlassbasiert | ~13,1 Mio. € pro Person | 40 % |
| Japan | Erwerberbasiert | ~185.000 € + pro Erbe | 55 % |
- OECD und andere internationale Institutionen empfehlen Deutschland seit Jahren, vermögensbezogene Steuern stärker zu nutzen und die hohe Belastung von Arbeit zu verringern.