Die Vermögensverteilung in Deutschland
Deutschland weist im europäischen Vergleich eine sehr hohe Vermögensungleichheit auf. Während Einkommen relativ gleichmäßig verteilt sind, konzentriert sich das Vermögen (Immobilien, Aktien, Betriebsvermögen) stark an der Spitze. Neuere DIW-Schätzungen unter Einbeziehung von Milliardärslisten deuten darauf hin, dass das Top 1 % sogar über 30–35 % besitzen könnte, da Superreiche in Umfragen systematisch untererfasst sind.
Hinweis: Anteil am Gesamtvermögen in Deutschland
- Top 1 %: 26 %
- Nächste 9 %: 34 %
- Mittlere 40 %: 37.5 %
- Untere 50 %: 2.5 %
- Gini-Koeffizient: 0,72 (Vermögen (Bundesbank PHF 2023))
- Medianvermögen: 103.200 € (pro Haushalt (2023))
- Durchschnitt: 324.800 € (3,15× so hoch wie Median)
Erbengesellschaft: Wachsende Ungleichheit durch Erbschaften
- Privatvermögen: > 50 % (ist geerbt, nicht selbst erarbeitet)
- Erbschaften: 54 % (beinhalten inzwischen Immobilien)
- Erbvolumen/BIP: 7–10 % (~300–400 Mrd. €/Jahr)
- ErbSt-Aufkommen: ~1,1 % (am Gesamtsteueraufkommen)
- Die reichsten 10 % erhalten die Hälfte aller Erbschaften — die ärmere Hälfte der Bevölkerung geht praktisch leer aus. Erbschaften erhöhen damit die bestehende Vermögensungleichheit.
Erbschaften vs. Steuereinnahmen
| Kennzahl | Wert |
|---|
| Geschätztes jährl. Erbvolumen | 300–400 Mrd. € |
| Steuerlich erfasst | 113 Mrd. € (2024) |
| Festgesetzte Steuer | 13,3 Mrd. € (2024) |
| Effektiver Steuersatz (gesamt) | ~2–3 % |
| Zum Vergleich: Tabaksteuer | ~15 Mrd. €/J. |
- Die Erbschaftsteuer bringt nur ~1,1 % des Gesamtsteueraufkommens ein — weniger als die Tabaksteuer (~15 Mrd. €). Bei einem geschätzten jährlichen Erbvolumen von 300–400 Mrd. € liegt der effektive Steuersatz bei nur 2–3 %.
In den 1970ern bestand etwa 20 % des deutschen Privatvermögens aus Erbvermögen — heute ist es über die Hälfte. Laut einer FES-Auswertung profitieren auch sehr junge Erben von weitreichenden Steuerbefreiungen bei großen Unternehmensvermögen.